Jost J. Marchesi: «Sieben Jahrzehnte für die Fotografie»

Vorwort von Urs Tillmanns Jost J. Marchesi ist als renommierter Fotograf und langjähriger Fachlehrer für Fotografie an der Zürcher Berufsschule bekannt. Er hat tausenden jungen Leuten das Grundwissen bis hin zu komplexen Theorien über Fotografie vermittelt und ihnen damit das Rüstzeug für ihre berufliche Laufbahn mitgegeben. Heute, 82-jährig, hat Jost J. Marchesi mit einem bewundernswerten Erinnerungsvermögen seine Memoiren verfasst, seine Lebenserinnerungen an sein Elternhaus bis zu seiner Pensionierung. Mit seiner Begeisterung für die Fotografie seit seiner Jugendzeit und dem Mitverfolgen des technischen Fortschritts an vorderster Front, kann Marchesi über eine ausserordentlich interessante Zeitspanne berichten. Nicht nur die analogen Bildverfahren hatten sich industriell perfektioniert, Marchesi hat auch den Wandel von der Fotografie mit Film bis zur digitalen Bildaufzeichnung und Bearbeitung nicht nur miterlebt, sondern auch aktiv mitgeprägt. Wer über viele Jahre hinweg in der fotografischen Ausbildung tätig war, erkennt, dass die Kunst des Sehens nicht nur eine Frage handwerklicher Fertigkeiten ist, sondern auch eine des Denkens und Fühlens. Diese Memoiren entstanden aus dem Wunsch heraus, die Erfahrungen eines Berufslebens festzuhalten, das gleichermassen von Technik, Pädagogik und persönlicher Entwicklung geprägt war. Als Marchesi seine Laufbahn als Fachlehrer für Fotografie begann, stand die analoge Dunkelkammer im Mittelpunkt der Ausbildung. Film, Chemie und Projektoren bestimmten den Unterrichtsalltag. Über die Jahrzehnte erlebte Marchesi den tiefgreifenden Wandel hin zur digitalen Bildbearbeitung und zu völlig neuen Formen visueller Kommunikation. Diese Entwicklung mitzugestalten und zugleich jungen Menschen eine kritische, bewusste Haltung zum Medium zu vermitteln, war eine seiner grössten Herausforderungen – und vielleicht auch seine wichtigste Aufgabe als Berufsschullehrer. In diesen Erinnerungen schreibt Marchesi über Begegnungen mit Schülergenerationen und Lehrmethoden, die sich im Laufe der Zeit verändert haben; über gelungene Experimente und Irrtümer, die wertvolle Erkenntnisse brachten. Er berichtet über die technische Entwicklung, von Kooperationen mit Künstlern, erzählt von einzigartigen Schulprojekten, die das Bildverständnis seiner Schüler prägten – und nicht zuletzt auch sein eigenes. Die schulische Fotografieausbildung war stets ein Spiegel gesellschaftlicher und technischer Entwicklungen. Sie verlangte, neue Geräte und digitale Prozesse zu verstehen, ohne dabei das Fundament der fotografischen Gestaltung – Licht, Komposition, Timing – aus dem Blick zu verlieren. Rückblickend sieht Marchesi in dieser Balance zwischen Tradition und Innovation den Kern seiner pädagogischen Arbeit. An wen richtet sich dieses Buch? In erster Linie an ehemalige Schülerinnen und Schüler, die Marchesi selbst erlebt haben, aber auch an jene, die sich für die Verbindung von Lehre, Handwerk und künstlerischem Ausdruck interessieren. Es soll nicht belehren, sondern ein Gespräch eröffnen – über den Wandel eines Berufsbildes, das zwischen Technik und Kunst, zwischen Schule und Wirklichkeit seinen Platz behauptet. Wenn Marchesi darin auf seine beruflichen Jahre zurückblickt, erkennt er vor allem eines: Fotografie zu lehren bedeutet, mit jeder Generation neu zu beginnen. Denn jede Schülerin, jeder Schüler sieht die Welt anders – und wer ihnen das Sehen lehren will, muss selbst immer wieder lernen, hinzusehen. Jost J. Marchesi will in diesem Buch nicht nur seinen Lebens- und Berufsweg dokumentieren, sondern er will vor allem den jungen Berufsleuten die Begeisterung für die Fotografie weitergeben – den wohl schönsten Beruf, den es gibt … Februar 2026 Urs Tillmanns


Korrektorat: ilka Marchesi
Links zu den Memoiren in vier Teilen: 

→ Teil 1   → Teil 2   → Teil 3   → Teil 4


Die Veröffentlichung ist ebenfalls auf Papier in Taschenbuchform geplant. Lassen Sie es mich wissen, wenn Sie daran interessiert sind.

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