Jost J. Marchesi: «Sieben Jahrzehnte für die Fotografie TEIL 4»
(Vom Jahr 2000, dem Vollzug der Digitalisierung bis zur Pensionierung)
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Das Jahr 2000 und die vollzogene Digitalisierung
Zum 20 Jahr-Jubiläum des Schulhauses Limmatplatz 1998 schrieb ich in der damals durch den Fachbereich Fotografie veröffentlichten Zeitung folgenden Artikel:
Wussten Sie, dass die digitale Fotografie bereits 17 Jahre alt ist?
Eigentlich feiern wir dieses Jahr bereits das siebzehnjährige Bestehen der digitalen Fotografie! Den meisten Bildschaffenden ist diese (erstaunliche) Tatsache allerdings kaum bewusst, denn viele sehen sich erst seit kurzem mit der neuen Aufnahmetechnologie konfrontiert.
Zaghaft begonnen hat die neuere Geschichte der Fotografie zum Zeitpunkt, als in der Amateur-Videotechnik die teuren und schweren Röhrenkameras durch elektronische Systeme mit CCD-Chips ersetzt wurden. So kam bereits 1981 (!) von Sony die Mavica auf den Markt, faktisch eine Stehbild-Videokamera, allerdings mit geringer Auflösung. Die Kamera wurde damals zwar bestaunt, gekauft hat sie dagegen wohl niemand. Denn was sollte eine digitale Aufnahmekamera zu einem Zeitpunkt, als es noch nicht einmal vernünftige Personal-Computer gab? Solche kamen erst Jahre danach und eigneten sich anfänglich nicht für die Bildbearbeitung. Angesprochen ist damit die Problematik, mit der sich viele Bildschaffende noch lange auseinander zu setzen hatten. Ohne leistungsfähigen Computer und dem zur vernünftigen Bedienung notwendigem Know-How geht beim digitalen Bild rein gar nichts.
An der Photokina 1990 sah man dann die erste wirklich im Handel erhältliche Digitalkamera. Knapp drei Jahre danach kam das Leaf-Digitalkamera-Back auf den Markt, das hierzulande vom Fachkamerahersteller Sinar aus Feuerthalen (anfänglich allerdings nur sehr zögerlich) propagiert wurde. Ich erinnere mich an eine Aussage anlässlich einer öffentlichen Vorlesung am fotografischen Institut der ETH von Hans Carl Koch, dem Sohn von Carl Koch, «gäbe es nur die digitale Fotografie und würde jetzt eben erst die analoge erfunden, müssten alle sofort umschwenken.» Vermutlich war dies nicht gerade die richtige Einstellung für die Zukunft des weltbesten Fachkameraherstellers. Allerdings hat Sinar in der Folge trotzdem eine Zeitlang ein eigenes, absolut hervorragendes Digitalback entwickelt und produziert.
Auch Kodak mischte zu Beginn erfolgreich mit digitalen Systemen mit. So gab es rasch eine modifizierte Nikon Spiegelreflexkamera, mit welcher es möglich war, ein Dreifarbenbild auf dem monochromen Digitalsensor zu produzieren. Es gab nacheinander drei Bilder mit den Farbauszügen Blau, Grün und Rot, mit denen die Software danach ein RGB-Bild produzierte. Dies war jedoch nur der Anfang. Bald darauf folgte ebenfalls eine Nikon, welche das RGB-Bild in einem Schritt fertigte. An der Berufsschule Zürich waren wir in der glücklichen Lage, diese Systeme anschaffen zu dürfen, so dass wir bereits ganz zu Beginn und sehr weit voraus digitale Fotografie unterrichten und anwenden konnten. Unsere Auszubildenden waren überglücklich!
Und für mich begann nun eine nächste Phase, in welcher zwar ein neues Ausbildungsreglement bestand, das jedoch bereits wieder teilweise nach Altpapier roch. Kodak, welche ganz vorne mit dabei war, musste wegen der Digitalisierung über die Klinge springen. Man hat dort die neuen Systeme, als man diese weitgehend zur Kenntnis nahm, in die Amateurfotografie eingeordnet, anstatt sie zuerst an die grossen bekannten Berufsfotografen als Zugpferde zu verschenken.
Äusserst spannend ist folgende Geschichte: Im Jahr 1975 hat der Kodak Mitarbeiter Steven J. Sasson bei Eastman Kodak mit seinem Entwicklungsteam aus einem Analog-Wandler von Motorola und einem Objektiv aus einer Kodak-Kamera und einem CCD von Fairchild eine Kamera hergestellt, welche in der Lage war, Schwarzweiss-Aufnahmen aufzunehmen. Die Kamera wog 3,8 Kilogramm und hatte eine Auflösung 0,01 Megapixel (10‘000 Pixel). Die Bilder wurden auf Magnetband aufgezeichnet, was pro Bild 23 Sekunden dauerte.

Kodak wollte dies noch nicht zur Kenntnis nehmen und hat 25 Jahre lang jegliche Veröffentlichung darüber unterbunden. Eigentlich jedoch war diese Überlegung zu jener Zeit bald fällig. Im Elektronik-Unterricht unserer Berufsschule (Berufsschule, nicht Hochschule!) haben wir 1980 im Anschluss an die Demonstration von Belichtungsmessern auf der Elektronik-Experimentiertafel auch bereits etwas in dieser Richtung gezeigt. Das «CCD» bestand aus sechzehn Photodioden, welche in einer Matrix aus vier Reihen 4 x 4 Stück gesteckt wurden. Die Auflösung betrug also 16 Pixel. Unmittelbar hinter die Photodioden schalteten wir je einen Kondensator. Das einfache beleuchtete Sujet wurde mittels eines Objektivs auf die Photodioden-Matrix geworfen.
Während der Belichtung floss durch die Photodioden mehr oder weniger Strom, welcher die Kondensatoren dahinter stärker oder weniger stark aufluden. Ein mit voller Spannung geladener Kondensator stellte ein Weiss dar. Ein ungeladener dagegen ein Schwarz – und dazwischen Grauwerte je nach Ladezustand. Der Vorgang der Belichtung war also wie bei moderner Digitalfotografie ein rein analoges Verschieben von Elektronen, das heisst, ein chemischer Redox-Vorgang. Erst beim reihenweisen Auslesen der Spannungen in den Kondensatoren gelangen die analogen Werte über einen Analog/Digital-Wandler und wurden digitalisiert, gleich wie das bei einer modernen Digitalkamera heute auch geschieht. Bei unserer Demonstration wurden die analogen Werte allerdings nur auf 16 Helligkeitswerte gesampelt.
Zur Speicherung der digitalen Werte diente ein Magnetband, auf dem die Digitalwerte in Ermangelung einer besseren Speichermethode je in einer anderen Tonfrequenz festgehalten wurden. Die Werte liessen sich sequentiell auf einem Screen darstellen und dieses wurde mittels einer Lupe derart verkleinert, dass das Bild an die Grenzauflösung des Auges angepasst wurde. Mit diesem Trick konnten auch weniger geübte Schüler eine Art Graustufenbild erkennen.
Mit etwas Phantasie konnten man damit die Funktion einer digitalen Bilderfassung erahnen. Einen originalen Fairchild CCD-Sensor konnten wir uns noch nicht leisten und für Ausbildungszwecke stellte Fairchild noch kein Material zur Verfügung.
https://www.digitalkameramuseum.de/de/geschichte
Bereits 1979 war es (zumindest mir) klar, wohin die Fotografie gehen wird und dass das analoge Zeitalter innerhalb der folgenden 20 Jahre vermutlich weitgehend zu Ende gedacht ist. Nach dem Kurs zur Programmierung von Microprozessoren 1979 an der ETH und dem Informatik-Intensiv-Nachdiplomstudium 1986 bis 1987 ging meine Ausbildung 1988 weiter mit einem kantonalen Intensiv-Fortbildungskurs Teleinformatik, gefolgt 1990 bis 1991 von einem Intensiv-Fortbildungskurs für Informatik-Verantwortliche. 1997 erlernte ich Internet- und Netzwerktechnologie in einem weiteren Intensiv-Fortbildungskurs und 2000 bis 2001 folgte schliesslich eine Intensiv-Weiterbildung mit dem Projekt Distance Learning, dem noch ein Wochenkurs in WEB Applikationsentwicklung folgte.
Im Lauf der 90er Jahre konnten wir an der Berufsschule für Gestaltung Zürich (wie die Schule in der Zwischenzeit hiess) sukzessive digitale Kamerasysteme anschaffen und so den Übergang von der analogen zur digitalen Fotografie an vorderster Front mitgestalten und unterrichten.
So ist es nicht erstaunlich, dass an meiner Schule bereits ab 1999 eine berufsbegleitende Ausbildung zum Multimedia-Koordinator angeboten wurde. Wie so oft waren wir Jahre voraus. Die Ausbildung hatte zum Ziel, den Teilnehmern eine theoretische und praktische Basisqualifikation zur Entwicklung von Multimedia-Anwendungen zu vermitteln. Dazu gehörte die Beherrschung des Arbeitswerkzeuges, das heisst, des Computers samt Betriebssystem sowie umfangreiche Kenntnisse in Standard-, Bearbeitungs- und Gestaltungssoftware für Text, Grafik, Bild, Audio, Video sowie der Produktions-Autorensoftware. Ebenso ist die Vermittlung von Wissens-Schwerpunkten im Bereich Verkauf, Marketing, Organisation, Planung und Urheberrecht notwendig.
Anfänglich gab es noch viele Skeptiker, welche der offensichtlichen Qualität des digitalen Bildes nichts abgewinnen konnten. Die noch eher geringe Auflösung war ein kritisches Thema. Dass die bis dahin verwendeten Objektive indessen gar nicht in der Lage waren, höhere Auflösungen zu erreichen, war den meisten Benutzern nicht bewusst.
Das Jahr 2000 war eine Art Grenzjahr. Von da an wurden die digitalen Bilder den anlogen zunehmend gleichwertig und mindestens bezüglich der Farbbilder überlegen und vor allem einfacher zu erzeugen als analoge Systeme. Neu berechnete moderne Objektive unbedingt vorausgesetzt, gab es bis dann in der Fotografie nie auch nur ansatzmässig gleich scharfe und perfekte Darstellungen. Aber nicht nur die Schärfe und Auflösung sind phänomenal geworden, auch die Farbwiedergabe wurde so, wie es die analogen Vorgänger ebenfalls nie geschafft haben. Sehen Sie sich dazu die Farbwiedergabe einer Jeans oder von grünem Gras auf einem Ektachrome-Dia und einem digitalen Bild an, oder sehen Sie, was die analoge Fotografie mit einer Zitrone oder einer Tomate damals gemacht hat!
Zur Zeit der analogen Katalog-Modefotografie hatten wir zusammen mit dem Hasselblad-Pola meistens ein Stoffmuster abgeheftet, so dass die Reprofotografen die eigentliche Farbe des Stoffes erkennen und auf dem Litho entsprechend korrigieren konnten.
Oder vergleichen Sie einmal ein Fernsehbild von 2025 mit einem von 1990. Nur ein gutes Vierteljahrhundert, aber da liegen mehr als nur Welten dazwischen. Jedesmal wenn ich heute zum COOP zum Einkaufen fahre, freue ich mich an einem wandgrossen Bild mit Beeren aller Art. Diese leuchten mir in einer grossartigen realistischen Art entgegen, wie dies in den letzten 65 Jahren, in denen ich mich mit dem Medium als Fotograf beschäftigte, noch nie auch nur annähernd der Fall war.
Digitale Fotografie hat jedoch sehr viel mit der Qualität der nachfolgenden Bildaufbereitung im Bildbearbeitungsprogramm zu tun. Die grossen Päpste der Bildbearbeitung am Ausbildungsinstitut – an dem ich unterrichtete – sagen, man müsse mindestens zwei- bis dreitausend Bilder systematisch korrekt aufbereitet haben; erst dann könne man langsam mitreden…
Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass viele Kunstfotografen mit gutem Recht die analoge Aufnahme auf einen grossformatigen Planfilm (z.B. 8 x 10 inch) bevorzugen. Aber dadurch werden Äpfel mit Birnen verglichen. In der digitalen Fotografie gibt es (mit Ausnahme früherer Bildebenen-Scannern) keine derart grossformatige, digitale Rückteile. «Grossformatige» Digitalrückteile oder Kamerabacks sind nur wenig grösser als das ursprüngliche Kleinbildformat (statt 24 x 36 mm zum Beispiel 40 x 40 mm).
Und zudem werden zur Schwarz-Weiss-Umsetzung der RGB-Bilder in der Digitalkamera noch erheblich weiterführende Kenntnisse des Bildbearbeitungsprogramms notwendig. Bereits für die Umrechnung der originalen RGB-Rohdaten der Kamera in das druckfähige subtraktive CMYK-Bild bedarf es grundlegender Kenntnisse mit entsprechender Ausbildung. Die Umsetzung zum hervorragenden Schwarz-Weiss-Bild ist nicht einfach durch eine Modus-Umschaltung gemacht.
Siehe dazu PHOTOKOLLEGIUM Band 6 ab Seite 11
oder
Repetitorium FARBE: www.fotointern.ch/archiv/2021/01/01/repetitorium-1-farbe-was-ist-das-eigentlich-farbe/
Alternativ könnte man für das rein schwarzweisse, digitale Erfassen eines Bildes eine Kamera mit CCD-Element ohne Mosaikfilter verwenden. Solche sind nicht farbempfindlich, sondern nur mit einer für CCD-Sensoren normalen, erhöhten IR-Empfindlichkeit ausgestattet. Wird vom Kamera-Hersteller statt eines dreifarbigen Mosaikfilters ein IR-Sperrfilter vorgelegt, ist das CCD-Element nur schwarzweiss empfindlich und muss nicht im Bildbearbeitungsprogramm umgerechnet werden.
Die Überlegung vieler Kunstfotografen – in diesem Fall können sie ja ihre bestehende Grossformatkamera aus analogen Zeiten verwenden und vor allem wegen des viel grösseren Formats von vielen Details des analogen Bildes profitieren – ist nachvollziehbar. Etliche arbeiten in solchen Fällen auch hybrid: Die Aufnahme erfolgt analog auf den grossformatigen Film, wird mit einem hochwertigen Scanner digitalisiert und die anschliessende Bildproduktion erfolgt danach auf einem FineArtPrinter. Der Vorteil dieser Produktionsart: FineArtPrint-Resultate sind erheblich länger (deutlich mehr als 100 Jahre) haltbar als chemische Silberbromid- oder Silberchlorid-Papiere (es sei denn, letztere würden am Schluss zum Beispiel noch mittels Selen getont). Die perfekte analoge Arbeitsweise würde diese Schlussverarbeitung sinnvollerweise erfordern.
FotoMailSystem
Vor dem November 1989 gab es noch kein WorldWideWeb. Dazu brauchte es erst Sir Timothy Berners-Lee, der am CERN das URL-System und das Hypertext Transfer Protocoll http erfand. Zwar gab es bereits so etwas wie ein Internet zwischen vielen Hochschulen, aber es fehlte das vereinfachende und übereinstimmende Protokoll.
Da ich in der zweiten Hälfte der 80er Jahre per Zufall Zugriff auf einen grafik-fähigen Midicomputer erhielt, machte ich mir Überlegungen zu einem Kommunikationssystem, das zwischen der Fotoindustrie und den Endbenutzern weltweit zum Einsatz gelangen könnte. Mit meinen Versuchen auf diesem System wurde es möglich, dort eine Art Katalog zu installieren, mit dem es Lieferanten möglich würde, ihr Sortiment grafisch und fotografisch auf die Personalcomputer ihrer Kunden zu übertragen; also so etwas, das man später als Webseite bezeichnen würde. Ich ging davon aus, dass jeder Benutzer einen Telefonanschluss habe, über welchen er oder sie mit einem Modem zwischen Computer und Telefonleitung weltweit eine jeweils lokale Telefonnummer anwählen konnte, um so zum Ortstarif mit dem Midicomputer in Kontakt zu treten.
Meine Versuche gelangen und ich durfte mich an einem Ortsnummernverzeichnis beteiligen, welche den kostengünstigen lokalen Zugang ins Telefonnetz weltweit ermöglichte. Nach der Produktion vieler Beispielseiten gründete ich die Firma FotoMailSystem und ging ins Angebot. In der bald danach folgenden Ausstellung Photexpo Zürich war meine Firma als Aussteller zu finden. Der kleine Ausstellungsstand war oft sehr überlaufen und ich wurde nicht müde, das System zu erläutern. Unglücklich war nur, dass mich viele Besucher anschauten, als wäre ich aus einem anderen Stern auf der Erde gelandet. Ein sehr bekannter Autofotograf drückte es so aus: «Jost, ich glaube, du lebst in einem künftigen Jahrhundert!»
In der Folge führte ich das System vor allem in der Fotoindustrie vor. Man staunte, was so alles möglich ist und kraulte mir den Kopf, schaute mich jedoch auch gelegentlich mit verwirrtem Blick an. Ich war mit meiner Idee eindeutig zu früh und/oder zu klein.
Photexpo Zürich
Mit einem Umsatz von 780 Mio war Mitte der 80er Jahre die Schweiz DAS Land der Fotografie. Die Photexpo Zürich fand alle zwei Jahre in den Züspahallen statt und zog immer mehr Aussteller aus der Fotoindustrie an. Als Berufsschule waren wir einige Male mit einem eigenen Stand vertreten und machten mit Aktionen auf unsere Ausbildungsstätte aufmerksam. Einmal hatten wir eine Zeitung im A3-Format vorbereitet und wer wollte, konnte sich für das Titelblatt am Stand öffentlich portraitieren lassen. Das digitale Bild wurde sogleich bearbeitet, in das vorbereitete Titelblatt eingefügt und auf dem Canon-Drucker daneben ausgedruckt. Digitale Fotografie in Reinkultur; ein voller Erfolg.
An einer dieser grossartigen Ausstellungen hatte Agfa-Gevaert eine Bühne, auf welcher bekannte Fotografen praktische Werbefotografie demonstrierten. Der Zürcher Fotograf Dietrich machte beispielsweise eine inszenierte Aufnahme einer Boxerin (Model Claudia). Ich war angestellt als Moderator und erklärte dem Publikum das Vorgehen bei der Arbeit des Mode-Fotografen und kürte als Ringrichter zum Schluss Claudia zur Siegerin.
Aufnahme Dietrich, Photoexpo Zürich 1985
Der Untergang der Fotografen-Ausbildung
Für die Berufsbildung der Fotografen war der Schweizerische Photographenverband später Schweizerische Berufsfotografen-Verband zuständig. In der Zwischenzeit gab es einen weiteren Qualtätsverband, die Vereinigung fotografischer Gestalter VfG.
Dieser letztgenannte propagierte eine ganz andere Fotografenausbidung. Solche sollen in einer Privatschule Gundzüge des Berufs erlernen und in Fotostudios Praktikas absolvieren. Mir wurde nie klar, wie man von der funktionierenden Berufslehre zu einem derartigen Schwachsinn wechseln konnte. Wenn man genauer hinschaut, sieht man jedoch, wie so etwas zustande kommen konnte.
Im Laufe der 90er Jahre sind die Umsätze der vorher sehr bekannten Fotoszene in und um Zürich ziemlich dramatisch eingefallen. Viele Auftraggeber waren nicht mehr gewillt, die kaum mehr zu bezahlenden Tagespauschalen aufzuwenden. Korrekt ermittelte Tagespauschalen sind natürlich eine ideale Basis. Das Vorgehen dazu haben wir im Berufskundeunterricht geschult. Aber weil grössere Studios mit dieser korrekten Methode richtig lagen, haben gewisse andere als Tagespauschalen Mondpreise ohne jegliche Grundlage verrechnet. Und damit war plötzlich Schluss. Einige berühmte, jedoch alternde Fotografen begannen eigene Fotoschulen aufzubauen. Und weil sie dadurch Praktika-Stellen benötigten, begannen sie gegen das Prinzip der Berufslehre zu opponieren. Und so haben wir heute von Zürich bis Baden, von Luzern bis Basel eine wilde Unmenge von privaten Fotoschulen mit einem riesigen Bedarf an Praktikumsstellen. Da hat es keinen Platz mehr für gute Lehrstellen. Leider haben diese Leute gewonnen und die Berufslehre als Fotograf verschwand praktisch über Nacht. Zum Nachteil aller. Auch in der Fotografie erfolgte dadurch derselbe Mist, wie bei Grafikern und in der Druckvorstufe vorgelebt: Es werden zuviele «Spezialistinnen und Spezialisten» auf den Markt geschleudert, welche ihre Honorare gegenseitig unterbieten müssen, um bestehen zu können.
Gewehrt für die Berufslehre haben sich vorwiegend die Fotografen aus der Westschweiz. Und dadurch wurde sie halbwegs gerettet. Halbwegs, weil es zwar ein neues praktisch unbrauchbares Ausbildungsreglement gibt, jedoch nahezu keine Lehrstellen. Und so kam es, dass die wenigen Lehrstellen sogar in Zürich (dem damaligen Bauchnabel der Fotografie) keine Klasse mehr füllen können und somit alle vier Lehrjahre in jeweils einer Sammelklasse unterrichtet werden. Man kann sich die Qualität des Unterrichts in einer Sammelklasse leicht vorstellen!
Schaut man die Ausbildungsreglemente vieler Berufe nach der Digitalisierung an (nicht nur diejenigen der Fotoberufe), stellt man fest, dass zum Beispiel keine Chemie mehr unterrichtet wird. Warum auch? Man badet ja keine Filme mehr in irgendwelchen giftigen Lösungen!
Und keiner dieses Supergescheiten für ein neues Bildungsreglement hat bemerkt, dass sich diesbezüglich mit der Digitalisierung nichts geändert hat. Ob ich Licht auf ein Silberhalogenid-Kristall schicke oder auf ein dotiertes Silizium-Kristall, ist kein Unterschied. In beiden Fällen werden Elektronen verschoben, das heisst, es sind beides typisch chemische Redoxvorgänge. Seit kurz nach der Jahrtausendwende werden die entsprechend Auszubildenden nicht mehr darin unterrichtet, was ein Redoxvorgang ist und dass der Vorgang der Belichtung sowohl in der analogen wie auch mit der digitalen Fotografie ein chemischer ist. So gesehen können wir den fotografischen Nachwuchs auch in ungeeigneten Geldmaschinen ausbilden… Der wichtigste Zweck vieler dieser Quereinsteiger-Fotoschulen ist das Scheffeln von Geld.
Der immense Vorteil der bisherigen Berufsschulen wie zum Beispiel der Schule für Gestaltung Zürich und des dualen Ausbildungssystems liegt vor allem darin, dass an diesen Schulen nicht ausschliesslich Fotografen sondern noch viele weitere Gestalterberufe und vor allem die Druckvorstufenberufe ausgebildet werden. Dadurch kommt ein grossartiges, gegenseitig austauschbares und äusserst befruchtendes KnowHow zusammen, das in dieser Kompetenz von reinen Geldmaschinen-Schulen unmöglich erreichbar ist.
Die Fotoschule Vevey, an welcher die französischsprachigen Lehrlinge in den Berufskundeunterricht gehen, beherbergt neben der Lehrlingsabteilung auch eine Fachschule für Fotografie, bei welchen die Auszubildenden (wie vorher auch in Zürich) mit der Schule einen Lehrvertrag eingehen. Diese Ausbildung wurde Ende 2025 erneut gefeiert, indem der Bundespräsident Guy Parmelin, welcher gleichzeitig Minister für die berufliche Bildung ist, das Bundesrats-Foto für 2026 durch 4 Auszubildende dieser Studienrichtung erstellen liess.

Bundesratsfoto 2026
https://www.bsv.admin.ch/de/newnsb/eQriaF6A59Y0GgAvE_Sg0
Auch innerhalb der Kunstschule F+F wird eine sechs-semestrige Fotografie-Ausbildung auf Stufe Höhere Fachschule (HF) angeboten. Die F+F entstand 1971 als Abspaltung einer Klasse der damaligen Kunstgewerbeschule. Den Auslöser dafür gab die Klasse «Form und Farbe». Diese Klasse unterrichteten Hansjörg Mattmüller, Peter Jenny, Serge und Doris Stauffer, die mit «neuen» Formen der Schulgestaltung experimentierten. Dies führte zum Streit mit der Schulleitung und schliesslich zur Abspaltung der Klasse zu einer neuen, konkurrenzierenden Kunstschule. Schon relativ früh führte F+F einen gestalterischen Vorkurs sowie vierjährige Fachklassen für Fotografie und Grafik. Fotografie wird zudem als Höhere Fachschule angeboten (Studiengang Fotografie HF).
Nicht wie sonst bei höheren Fachschulen üblich, muss man keine bestimmte Vorbildung haben, ein beliebiger Abschluss in der Sekundarstufe II genügt (Matura oder ein beliebiger Beruf von KV bis Eisenleger). Voraussetzung dagegen ist genügend Geld. Die Semestergebühr für das «Studium» liegt bei rund CHF 10’000. Das Diplom berechtigt zum eidg. anerkannten Titel dipl. Kommunikationsdesigner/in HF und sei staatlich anerkannt.
PHOTO SCHWEIZ 20xx bis ….
Fotografien von Fotografen und von Quereinsteigern müssen natürlich auch ausgestellt und der Öffentlichkeit gezeigt werden. Da meine Lochkamera-Aufnahmen bis dahin noch nie in der Öffentlichkeit gezeigt wurden, habe ich die Arbeit für die PHOTO 18 in Zürich eingereicht. Und dafür zähneknirschend ziemlich viel Geld bezahlt. Die Bilder kamen wieder zurück mit dem Vermerk, die Kuratorinnen hätten sich nicht für die Ausstellung meiner Bilder entscheiden können. Bezahlt war ja bereits. Als ich mich darüber in Instagram etwas mokiert habe, erhielt ich eine Zuschrift von Roger Anderegg mit der Frage: «Seit wann kuratieren die Verwalter dieser Geldmaschine denn Bilder?»
https://www.woz.ch/1802/photo-18/eine-fotoschau-als-perfekte-cashcow
Meine an die PHOTO 18 eingereichte Arbeit
Photo 25
Immerhin werden an der PHOTO SCHWEIZ unter «AVARD» auch Arbeiten echter Fotografen gezeigt, wie René Groebli, Robert Frank, Walter Pfeiffer, Beat Pfändler usw. Und man organisiert Vorträge, das sogenannte «FORUM» mit Internationalen Namen von Albert Watson bis Steve McCurry sowie einer Anzahl nationaler von Andri Pol bis Röbi Bösch. Die Geldmaschine wird dadurch erheblich ausgeweitet.
Toskana-Arbeitswochen-Lager und Prüfungsvorbereitungslager im Wallis
Mein ehemaliger, kurzzeitiger Oberstift bei Foto Gessler in Brugg – Heinz Walti – hat Anfangs der achtziger Jahre in der Toskana ein Bauernhaus gekauft, das malerische Podere Casciano in Casole d’Elsa zwischen Florenz und Siena gelegen. Er hat in diesem Haus ein Fotostudio und Schwarzweiss-Labors eingerichtet und da eine genügende Anzahl Zimmer zur Verfügung standen, Ferienkurse in Fotografie durchgeführt. Einmal zu jener Zeit hat die Firma Light & Byte einen Rampenverkauf durchgeführt und den Gewinn der damaligen dritten Klasse Fotografen zur Verwendung für eine Arbeitswoche geschenkt. Dies war dann die erste Exkursionswoche der Fotografen an diesem wunderbaren Ort. Erst einige Jahre später wurde dieses Lager jeweils im Juni regelmässig durchgeführt. Mit dabei waren neben mir auch die damalige Kunstgeschichte-Lehrerin Anna Rüegg. Und später an deren Stelle ilka Michel. In der Pergola haben diese Kunstgeschichtlerinnen täglich eine Lektion Kunst- und Architekturgeschichte-Unterricht erteilt. Gekocht haben wir und die Schülerinnen und Schüler gemeinsam.
In der Praxis wurden fotografische Gestaltungsetüden und -konzpte sowie kleinere und grössere Kunstwerke erschaffen. Exkursionen nach San Gimignano, Siena und ans Meer bereicherten die Gemüter.
Jeweils im März reiste praktisch die gesamte Schule ins Wallis. Anfänglich nach Montana, später ins Fiescherdorf. Deklariert war der Anlass als Sportlager, war faktisch jedoch auch ein Prüfungsvorbereitungslager. Jeweils am Vormittag fand Unterricht statt und der Nachmittag stand für ein grosses Sportangebot von Skifahren bis Tennis und mehr zur Verfügung. An einem Vormittag führten zwei Allgemeinbildner eine Tour d’Horizont durch die Belange der Abu an der Abschlussprüfung (wie damals das heutige Qualitätsverfahren QV genannte Verfahren noch hiess). Für die Fotoberufe schleppte ich jeweils noch 10 Macintosh Plus mit, auf denen das fotografische Prüfungs-Frage-und-Antwort-System lief, ein theoretisches Prüfungsvorbereitungssystem von Josef Scherrer und mir. Der Raum, in denen diese Computer standen, war rund um die Uhr zugänglich.
Auch für uns Lehrer war diese Woche immer ein schönes Erlebnis, hatten wir doch jeweils an Nachmittagen ebenfalls frei und konnten die Frühlings-Bergwelt mit Skifahren oder kleinen Ausflügen ausfüllen. Am Mittwoch-Nachmittag und Abend wurde bereits in den ersten Lagern kulturhistorische und kulinarische Anlässe für die Lehrerschaft durchgeführt. Anfänglich wurden diese vor allem durch den Lagerleiter, den leider verstorbenen Buchbinder-Lehrer (er konnte die besten Witze erzählen) Franz Baumgartner, den Offsetdruckern Bruno Kuhn und Andreas Wanner sowie dem Allgemeinbildner Roman Lang organisiert. Mit der Zeit hat es sich eingebürgert, dass diese Anlässe durch mich und ilka bereits vor dem Lager (auf unsere Kosten) recherchiert und organisiert wurden. Ilka hat dazu für die Lehrerschaft in der Regel eine umfassende Dokumentation vorbereitet und abgegeben, was ausserordentlich geschätzt wurde.
Eine der erfolgreichsten Veranstaltungen war der Besuch von Schloss und Basilika von Valeria, hoch über Sion. Die Basilika ist benannt zu Ehren von Valerianas, der Mutter des römischen Stadtpräfekten Titus Casmpasnius Priscus Maximianus – der im Jahr 43 n. Chr. bezeugt ist – liegt auf einem der beiden Hügeln, welche die Stadt Sion an der östlichen Altstadtseite überragen. Angelegt bereits in keltischer Zeit, wurden Burg und Kirche erstmals 1049 urkundlich erwähnt.
Anlässlich der Recherche des Besuchs durch ilka und mir trafen wir in der Basilika den Pförtner, welcher dort in einer Kammer wohnt. Er bot uns an, für uns am Besuchstag auf einer der ältesten Orgel der Welt, der Schwalbenschwanz-Orgel von 1435 ein längeres Oratorium zuspielen. Es war dies ein Erlebnis und ein äusserst seltener Genuss, von welchem die Glücklichen, welche damals dabei waren, heute noch schwärmen.
Schwalbenschwanz-Orgel in der Basilika Valeria, Sion. Eine der ältesten Orgeln der Welt.
Foto von Berra39, gemeinfrei.
Später als wir nicht mehr in Montana waren, sondern im Fiescherdorf, organiserten wir einen Fussmarsch von Fiesch bis Ernen, wo wir eine Führung durch das Dorf miterleben durften. Die Führung beinhaltete ebenfalls eine Besichtigung der markanten Kirche mit einem Orgelspiel. Der Zufall wollte es, dass unter den Auszubildenden im Dekorationsbereich (Gestaltung 3D) eine junge Sängerin mit klassischer Gesangsausbildung dabei war. Sie stellte sich zur Verfügung, während des Orgelspiels Schuberts Ave-Maria zu singen. Auch dies ein wunderbares Ausflugs-Erlebnis. Welch vielseitige Schülerinnen und Schüler wir doch hatten und haben!
Nach solch grossartigen kulturellen Veranstaltungen schmeckte jeweils das abschliessende Walliser-Raclette à discrétion noch besser.
Erwähnung verdient auch der Besuch des Safranfeldes in Mund, ein Dorf oberhalb Naters und des Safran-Museums. In Mund im Oberwallis wächst auf einigen Feldern Safran, das jeweils im Herbst von der Bevölkerung geerntet und – wenn überhaupt – nur lokal verkauft wird. Zum Nachtessen gabs dann kein Raclette sondern eine Menue mit Safran-Reis (samt vorgängiger Weinprobe).
Safran aus Mund
Die direkte Vorgänger-Veranstaltung zum Sportlager im Wallis geht auf die Berufsgruppe der Polygrafen (damals noch aufgesplittet in mehrere Berufe, auch Schriftsetzer), Drucker und Buchbinder zurück. Diese Gruppe hat bereits viele Jahre zuvor in Flims jeweils ein Lager durchgeführt. Einmal erinnere ich mich, waren auch Fotolaboranten dabei. Und weil meine Eltern zu gleicher Zeit in Flims mitsamt Katze eine Ferienwohnung gemietet hatten, ging ich jenes Jahr mit und die Fotolaboranten kamen jeweils an Vormittagen in die Ferienwohnung und erhielten von mir eine intensive Prüfungsvorbereitung.
Spannende Schüler und Kollegen
Insgesamt unterrichtete ich 35 Jahre lang jedes Jahr eine Fotografenklasse. Diese Auszubildende kamen aus der halben Schweiz nach Zürich in die Berufsschule. Daneben gab es in der Deutschschweiz noch Berufsschulen für die Fotografen in Bern, Basel, St.Gallen sowie in Vevey (französisch) und Lugano (italienisch). Die Klassengrössen waren sehr unterschiedlich. Einmal hatte ich nur 9 Auszubildende (8 weibliche und einen Mann, letzterer war Christian Westermann, der Jahre danach als Fotolehrer an unsere Schule berufen wurde), ein anderes Mal bis 15 (dies vor allem, als auch die Absolventen der Fachklasse Fotografie den Unterricht zusammen mit den Lehrlingen bei mir besuchten).
Christian Westermann hat zuerst meinen Unterricht an der Klubschule Migros übernommen. Mit jener harten Erfahrung war er prädestiniert für den Unterricht bei den Fotofachangestellten und Fotografen, als wir einen weiteren Lehrer für diesen Fachbereich suchten.
Der Unterricht begann jeweils kurz vor 8 Uhr. Da die meisten Schülerinnen und Schüler erst um jene Zeit in Zürich ankamen, wurde – vor allem im Winter – der Unterrichtsbeginn meistens verzögert. Ich stellte daher das Begehren, den Unterricht erst um 9 Uhr beginnen zu dürfen. Dafür erwartete ich dann gleich zu Beginn ein vollzähliges Erscheinen. Natürlich wieherten die Beamten zuerst. Doch schliesslich konnte ich sie überzeugen und als alle Berufsgruppen ausser den Fotografen am Morgen immer zu spät erschienen, gab es weitere Denkende, die schliesslich gleiches durchsetzten.
Ganz selten bis nie hatte ich schwierige Auszubildende. Zu den allermeisten hatte ich einen guten Draht. Nahezu in jedem Lehrgang gab es Leute, deren Name man nachher in der Fotografie noch hörte und welche teilweise Weltruhm erlangten.
Manuel Bauer
https://de.wikipedia.org/wiki/Manuel_Bauer
An ihn erinnere ich mich noch sehr gut. Freischaffender Fotojournalist seit 1988. Mitbegründer der Bildagentur LOOKAT PHOTOS. Speziell bekannt wurde er, als er die Flucht eines Vaters mit seiner Tochter Yangdol in einem Fotoband dokumentierte. Yangdol ist 6 Jahre alt. An der Hand ihres Vaters verlässt sie ihre Heimat, um Tibeterin zu bleiben. Wie bereits tausende Kinder vor ihr flüchtet sie über den 5716 Meter hohen Nangpa Pass nach Nepal und von dort nach Indien, wo der Dalai Lama im Exil lebt. Manuel Bauer begleitete die beiden auf der Flucht.
Seit 35 Jahren gilt Manuel Bauer als Freund und Fotograf des Dalai Lama.
Über seine Reisen macht Manuel Bauer auch Diavorträge. So auch über die Flucht von Yangdol. Vor einigen Jahren besuchte ich an meinem Wohnort einen solchen Vortrag und begrüsste Manuel vor Beginn der Veranstaltung.
Flucht aus Tibet von Manuel Bauer
Am Anfang seines Vortrages erwähnte er mich, seinen ursprünglichen Fotolehrer und erzählte folgende Story:
Im Berufskundeunterricht bei mir hätte er unter vielem anderen auch Grundlagen über Elektrik und Elektronik erhalten. Dabei habe er gelernt, wie man die Stärke eines Vorwiderstandes errechnet und dieses Wissen Jahre danach in der Pampa irgendwo in Indien anwenden können. Und zwar hätte er auf der Reise sein Autoladegerät für das Elektonenblitzgerät verloren, mit welchem er an der 12-Volt-Steckdose des Autos den tragbaren Elektronenblitz habe aufladen können. Mit dem Wissen aus der Berufsschule hätte er den notwendigen Vorwiderstand errechnen können, mit dem es möglich wurde, ein behelfsmässiges Auto-Ladegerät zu basteln. Und einen geeigneten Vorwiderstand war zusammen mit einem Lötkolben auch in der Pampa irgendwo in Indien leicht zu finden.
Christian Ammann
https://photographer.ch/
Christian Ammann fiel mir bereits in der Berufsschule als überragender Fotograf auf. Er eröffnete bald nach Lehrende in Zürich sein Fotostudio. Auf seiner Webseite steht unter About:
Christian Ammann, is an established award winning fashion and beauty photographer, film director and creative director. He is also one of a select few global Nikon ambassadors. His projects have taken him to the highest peaks of the alps to Asian mega cities and tropical islands. Some of his clients include Chanel, Max Factor, Nikon, Adobe, L’Oreal, Pantene, Audemars Piguet, Victorinox, Microsoft, Credit Suisse, UBS, Cartier, Kjus, Boss, Mammut, Asda, H+M, C+A, Selfridges, Gillette, Rosewood Hotels, Elle, Marie Claire, Flair, and Jalouse. Christian’s unique selling point is that he comes with his own Red Epic W cinema camera (8k filming and 200mb tiff stills) and accessories allowing him to direct and apply his unique view through his cinematography. Christian and his team also specialise in editing titles, motion graphics and after effects. He has a carefully curated team of specialists for all aspects of production. Christian’s creative direction involves creating concepts for his clients from ideas through to edit and final delivery. His unique setup allows him to shoot moving image and stills together to create a perfectly uniform result across multi platforms.
Deutsche Übersetzung: Christian Ammann ist ein etablierter, preisgekrönter Mode- und Beautyfotograf, Filmregisseur und Kreativdirektor. Er ist außerdem einer von wenigen ausgewählten globalen Nikon-Botschaftern. Seine Projekte führten ihn zu den höchsten Gipfeln der Alpen, in asiatische Megastädte und auf tropische Inseln. Zu seinen Kunden zählen Chanel, Max Factor, Nikon, Adobe, L’Oreal, Pantene, Audemars Piguet, Victorinox, Microsoft, Credit Suisse, UBS, Cartier, Kjus, Boss, Mammut, Asda, H+M, C+A, Selfridges, Gillette, Rosewood Hotels, Elle, Marie Claire, Flair und Jalouse. Christians Alleinstellungsmerkmal ist, dass er seine eigene Red Epic W-Kinokamera (8k-Filmaufnahmen und 200 MB TIFF-Standbilder) und Zubehör mitbringt, wodurch er seine einzigartige Sichtweise durch seine Kinematografie umsetzen kann. Christian und sein Team sind außerdem auf die Bearbeitung von Titeln, Motion Graphics und After Effects spezialisiert. Er verfügt über ein sorgfältig zusammengestelltes Team von Spezialisten für alle Aspekte der Produktion.
Übersetzt mit DeepL.com
Beat Pfändler
https://www.photoatelier.ch/
Pfändler ist in einem Film- und Werbeatelier sowie Filmproduktionsfirma seines Vaters in Zürich aufgewachsen und daher seit frühester Jugend mit dem Medium in Kontakt. Er war eine Zeitlang im Video-Team der Swissair sowie M/C auf dem Streckennetz der Swissair. Beat ist mit einer japanischen Frau verheiratet und hat einige Zeit in Japan gelebt. In jener Zeit stiess er in Tokio auf eine Buchhandlung in welcher ein neues Buch vorgestellt wurde und wo deshalb bis nach Draussen lange Schlangen standen. Gezeigt wurde ein Buch auf Japanisch, das KnowHow der Grossformatfotografie hiess und im Wesentlichen ein Selbstlehrgang zur Grossformatfotografie anhand des torkelfreien Sinar-Systems war. Beat Pfändler gefiel der Lehrgang und er erkundigte sich, wo denn der Autor wohnhaft sei und wo er lehre; denn bei dem möchte er lernen. Die Antwort war Zürich und Beat Pfändler fand dies praktisch, weil dies ja sein Schweizer Wohnort ist.
Und so kam es, dass sich Beat Pfändler in der Folge bei mir im Schulzimmer meldete und abklären wollte, wie er bei mir lernen könne. Ich schlug ihm vor, dass er mit seiner fotografischen Vorbildung vermutlich gemäss damaligem Art. 41 des Berufsbildungsgesetzes zur Abschlussprüfung zugelassen würde, sofern er nachweisen könne, die theoretischen Grundlagen des Berufs erlangt zu haben. Und diese könne er durch den kostenlosen Besuch der Berufsschule nachweisen. Gesagt, getan. Beat Pfändler trat mit dem nächsten Lehrgang Fotografenlehrlinge den berufskundlichen Unterricht in meiner Klasse an und absolvierte ihn sehr engagiert und erfolgreich bis zur Abschlussprüfung als gelernter Fotograf. Ein paar Jahre älter als die meisten motivierte er von Anfang bis zum Schluss alle seine Mitschüler und erreichte, dass sein Schuljahrgang als einer der erfolgreichsten in die Geschichte einging. Mit Beat Pfändler verbindet mich bis heute eine tiefe Freundschaft.

Fotoklasse im Lager in der Toskana mit u.a. Beat Pfändler (hinten erster von links), Christian Ammann (vorne mitte links), links davon Samuel Röthlisberger, Anna Rüegg (Kunstgeschiche, hinten 3. von rechts) und ilka Michel hinten 3.von links), spätere Marchesi. Aufnahme Beat Pfändler
Analoge Hommagen von Beat Pfändler
Während meiner Lehrtätigkeit an der Schule für Gestaltung habe ich im Zusammenhang mit Themenarbeiten die Studierenden gelegentlich auf die Möglichkeiten des bedingten Plagiats hingewiesen. Plagiate nicht als Anmassung fremder geistiger Leistung, also nicht als Fälschung, sondern als Nachempfindung sind in der Ausbildung zum Berufsfotografen zwar ein äusserst schwieriges, jedoch sehr effizientes Lehrmittel.
Eine lehrreiche Nachempfindung ist zum Beispiel jenen Auszubildenden gelungen, welche die Szenengestaltung und die Beleuchtung von Fellini-Filmszenen nachzustellen versuchten und dabei gewissermassen ähnliche Erfahrungen sammeln konnten, als wären sie als Regie- oder Kamera-Assistenten im Fellini-Set dabei gewesen. Auch Lernende in einem Fotostudio lernen von ihrem Lehrmeister und variieren mit der Zeit dessen Arbeitsweise und Stil – auch dies eine Nachempfindung. Ähnliches geschah bereits in den Lehrwerkstätten der grossen Renaissance-Maler.
Das erneute Nachempfinden eines Kunstwerks kann auch als Ehrerweisung, Huldigung oder HOMMAGE an einen berühmten Künstler, dessen Arbeiten die Nachempfindenden verehren, angesehen werden. Die Urheber einer Hommage sind nicht selten ebenfalls bekannte Persönlichkeiten, die sich dem ursprünglichen Künstler verpflichtet fühlen. Und nicht zuletzt wird der Gestalter des Originals zum unsterblichen Lehrer – wie es der Fotograf Beat Pfändler im Beschrieb zu seiner Hommage an Robert Mapplethorpes Irises von 1986 ausdrückt.
Bereits während seiner Ausbildung haben ihn die Arbeiten von Mapplethorpes und insbesondere das Blumenbild Irises grossen Eindruck hinterlassen. Einige Jahre später hatte Beat die Gelegenheit, das Bild als originalen Barytabzug im Metropolitan Art Museum in Tokio anzuschauen. Wenn ich mich richtig erinnere, entstand bereits damals die Idee im Hintergrund, dieses wunderbare Blumenbild so intensiv zu analysieren, bis es möglich werden sollte, es als detailtreue Hommage mit den heute zur Verfügung stehenden fotografischen Einrichtungen nachzubilden. Ich beurteilte die Idee damals als grossartig, meinte jedoch, es sei sehr schwierig und das schaffe wohl keiner. Ich täuschte mich.
35 Jahre später überreichte mir der Fotograf Beat Pfändler, mein ehemaliger, hochgeschätzter Schüler, die analoge Silbergelatine-Vergrösserung der Hommage an Mapplethorpes Irises in Originalgrösse als selengetonter Barytabzug. Hätte ich nicht bereits vorher den Artikel in der Zeitschrift PhotoKlassik I.2023 gelesen, würde ich denken, es sei das Original!
Mapplethorpes hat das Original vermutlich mit Sonnenlicht fotografiert. Beat Pfändler dagegen mit künstlicher Beleuchtung im Studio. Im erwähnten Artikel von PhotoKlassik beschreibt er sehr detailliert, wie er vorgegangen ist, wie er Brett und Vase besorgt und aufbereitet und wie er subtil sämtliche Reflexe, Verläufe und Tonwerte ermittelt hat. Und wie er monatelang tüftelte und Versuche anstellte, um all diese ermittelten Daten schliesslich so umzusetzen, dass ein Bild mit hoher Übereinstimmung mit dem Original entstehen konnte. So etwas nenne ich die höchste, sonst kaum erreichbare Reife in der fotografischen Beleuchtungstechnik. Dagegen ist ein kompliziertes Tabletop mit eigener kreativer Beleuchtung direkt ein Kinderspiel.
Das ist Analog-Fotografie in nahezu unmenschlicher Perfektion. Schliesslich musste ich mich korrigieren und sagen: «Das kann keiner, ausser Beat Pfändler». Wenn ich die wunderbare Hommage der Irises 2021 auf dem analogen Barytabzug ansehe und mit einem reproduzierten Museumsbild vergleiche, stelle ich die erstaunliche Übereinstimmung fest. Beat Pfändlers Nachempfindung ist natürlich keine Fälschung. Subtile Abweichungen vom Original sind feststellbar und gewünscht: Schatten unten links, Tonwert der abgeknickten Blüte links, schönere Lamellenschatten, verbesserte Tonwerte und Anordnung der Blumenstiele, bessere Tonwertdifferenzierung im Untergrund und Hintergrundmodulierung rechts der Vase – um nur einige zu nennen. Beat Pfändler meinte, ich soll die Arbeit bei den Unterlagen meiner ehemaligen Schüler ablegen. Das habe ich nicht getan. Dieser meisterhafte Silbgelatine-Barytabzug, diese grossartige Hommage an Mapplethorpe hängt in einem edlen Rahmen. Diese unverkäufliche Arbeit erfreut mich und mein Umfeld täglich!
In der Zwischenzeit sind von Beat Pfändler noch weitere grossartige Hommagen entstanden. Es ist selbstverständlich, dass solche Arbeiten zwingend analog (wie das Original) entstehen.
Pfändler meint zur analogen Arbeitstechnik:
«Wir erleben mit der analogen Fotografie das, was in vielen Kunstrichtungen, wie auch in der Musik zu erleben war. Eine neue Technik verdrängt die alte, und erhebt dann wiederum die alte selbst zu voller Pracht und manchmal noch etwas höher, weil da eben sehr viel typische Qualitäten überzeugen. So wie eine elektrische Gitarre nie eine klassische Konzert-Gitarre ersetzt, wird auch eine digitale Kamera nie die analoge vollständig ersetzen. Beides hat unverkennbar seine Qualitäten – vorausgesetzt, dass die Technik kompetent gehandhabt wird. Und das ist in beiden Fällen nur mit Jahren des Studiums oder Erfahrung…»

Irises 2021 ist eine Hommage an Robert Mapplethorpes IRISES 1986.
Hergestellt von Beat Pfändler als fotografische Studie für den privaten Gebrauch. Not for sale.
Aufnahmegrösse: Analog Film Kodak TMax 4×5 inch
Print Art: Baryt Print mit Selentonung
Grösse: 50 x 60 cm
Nautilus 2023 ist eine Hommage an Edward Westons Nautilus 1927.
Hergestellt von Beat Pfändler als Beispiel für die Weiterbildung in analoger Schwarzweiss-Fotografie.
Aufnahmegrösse: Analog Film Ilford HP5 8 x 10 inch
Print Art: Baryt Print Kontaktabzug Grösse: 24 x 30 cm
Ausstellung Print: Inkjet Pigment Hahnemühle Fine Art Baryta Grösse: 56 x 70 cm
Samuel Röthlisberger
Dieselbe Klasse wie die bereits erwähnten Christian Ammann und Beat Pfändler (wie übrigens auch meine spätere Frau ilka Michel) besuchte auch Samuel Röthlisberger. Er ist uns immer wieder als Filmer aufgefallen und hat denn im Toskana-Lager einen Dokumentarfilm über die jungen Fotografinnen und Fotografen erstellt und mit ihnen über ihre Bilder, ihre Zukunft und ihre Gedanken gesprochen. Die Interviews sind in dem Film eingepackt in eine vermeintliche Horrorgeschichte, in welcher in einem verlassenen Messi-Haus in der Umgebung des Podere Casciano inmitten des Grümpels eine menschliche Hand gefunden wurde und die Finder in Angst und Panik versetzten.
Über die Projektarbeiten, welche in der Toskana entstanden sind, hatten wir im Schulhaus Limmatplatz eine gut besuchte Ausstellung aufgebaut und die etwas verspätete Premiere des Röthlisbergerschen Films «Wir Fotografen» angesehen. Etwas verspätete deshalb, weil der Schnitt des Werkes eben gerade erst fertig geworden ist…
Sven Bobzien, Mike Berger, Thomas Kalwa, Marianne Kesselring
Das Fotostudio an der Badenerstrasse 808 betrieb ich anfänglich zusammen mit einem meiner ehemaligen Schüler, Sven Bobzien. Er brachte auch einige Modeaufträge mit ins Studio. Zu jener Zeit hatte ich in einer Klasse die Auszubildende Marianne Kesselring, welche in einem kleinen Studio im Aargau im Nussbaumen in der Lehre war. Interessant, der dortige Lehrmeister hatte seinerzeit nach meiner Lehrzeit ebenfalls bei Gessler in Brugg das Handwerk gelernt.
Gegen Ende des dritten Lehrjahres zeigten sich bei Marianne eklatante Ausbildungsmängel und es war angezeigt, einen Lehrortswechsel zu provozieren. Das war nicht ganz einfach, deshalb landete Marianne schliesslich in meinem Studio und wurde weitgehend von Sven ausgebildet, mit meiner aktiven Hilfe, so gut es ging. Die Laborausbildung erhielt sie durch mich in den Schullabors ebenso die monatlichen Ausbildungsaufgaben, welche das Reglement verlangte.
Marianne blieb noch eine Weile in meinem Studio und wechselte danach ins Fotostudio des Kunstgewerbemuseums Zürich. Im Jahr 2023 hörte ich wieder von Marianne Kesselring – nachdem ich sie bereits vorher mal an einer Vernissage im Kunstgewerbemuseum getroffen hatte. Sie rief mich an und sprach mich auf die Lochkamera-Aufnahmen an. In der Zwischenzeit betreut sie das Fotoatelier der HGKZ. Sie hätte leider erst nach der Ausstellung davon erfahren. Aber ob ich ihren Studenten über das Verfahren eine Vorlesung bieten könne? Ja konnte ich. Wir vereinbarten einen Termin Anfangs Dezember. Es war ein neblig-eisiger Tag und ich schaffte es mit meinem bereits angeschlagenen Gesundheitszustand nicht, die vereisten Fenster meines Autos vollständig zu enteisen. Weil es nicht möglich war, den Termin zu verschieben, entschlossen wir uns kurzfristig für eine online-Vorlesung. Sowohl die Hochschule wie auch ich sind dafür seit der Pandemie bestens eingerichtet.
«Ungiftiger» Filmentwickler
Den Studierenden schlug ich vor, sie dürften sich auch später bei Fragen an mich wenden. Eine Studentin tat dies dann auch. Allerdings nicht bezüglich Lochkamera, sondern sie wollte sich einen Entwickler aus «ungiftigen» Bestandteilen aus der Küche zusammensetzen. OK; auf welche Ideen die Leute ohne Grundlagenausbildung kommen können? Dazu sollte man zuerst mal wissen, was beim Entwickeln eines analogen Silberhalogenid-Films passiert: Bereits bei der Belichtung werden Elektronen verschoben (Redoxvorgang) und in den Silberhalogenidkristallen bildet sich dadurch wenig photolytisches Silber, nicht jedoch an den unbelichteten Stellen. Durch die Entwicklung wird dort, wo sich durch die Belichtung etwas Silber gebildet hat, weiteres Silber angelagert bis der gesamte Kristall zu Silber reduziert ist. Danach muss durch die Fixierung das unbelichtete und daher unverarbeitete Silberhalogenid-Kristall herausgewaschen werden.
Gut, gehen wir in die Küche: Als Entwicklungssubstanz könnte sich ein konzentrierter Schwarztee vielleicht eignen. Aber wie ein richtiger Entwickler benötigt dieser ein alkalisches Milieu. Dazu finden wir vielleicht etwas Soda, das in der Küche bei Magenverstimmung als Medizin genommen oder als Reinigungsmittel verwendet wird. Zur längerzeitigen Pufferung der Alkalität finden wir vielleicht noch Vitamin-C = Ascorbinsäure. Damit wirklich nur belichtete Kristalle weiter reduziert werden und nicht auch teilweise unbelichtete, benötigen wir ein Klärmittel. Statt des üblichen Kaliumbromids könnten wir Backpulver = Natriumbicarbonat verwenden. Im richtige Mischverhältnisse würde dieser «ungiftige» Entwickler möglicherweise arbeiten – bei stundenlanger Einwirkung. Von Qualität jedoch keine Spur. Dazu hätte sich die analoge Fotografie nicht über 160 Jahre weiter entwickeln müssen. Noch in den 60er Jahren hätte es im Übrigen genügt, ein wenig unterhalb von Basel dem Rhein etwas Wasser zu entnehmen und damit zu entwickeln. Wäre ebenso und auch genauso schlecht gegangen wie die Mischung aus Schwarztee.
Ach so, fixieren müssen wir ja noch mit etwas aus der Küche. Machen wir das mit einer ziemlich konzentrierten Kochsalzlösung = Natriumchlorid (250 bis 500 g pro Liter). Knapp eine Stunde und danach gut wässern. Ich kann es drehen wie ich will und finde trotzdem keinen Sinn hinter dem Ansinnen.
Studio MBK
Nachdem Sven Bobzien das Fotostudio verlassen hat, wollten die beiden frischgebackenen Fotografen Mike Berger und Thomas Kalwa mitmachen. Ich war mir allerdings nicht ganz sicher, ob das einbringbare Arbeitsvolumen für drei Fotografen genügend gross sein würde. War es dann auch tatsächlich nicht, obwohl kaum mehr Investitionen mehr gemacht werden mussten. Und da ich mich nun mit der neu aufkommenden Digitalfotografie zu befassen hatte, verkaufte ich das Studio an den ausgezeichneten Fotografen Mike Berger. Mit Mike Berger verbindet mich bis heute eine tiefe Freundschaft. Das hat unter anderem auch damit zu tun, weil wir beide ausgesprochene Fans von Landrover Defender sind.
Das Studio war recht gut ausgerüstet. Wie alle meine Studios war es schwarz gestrichen. Vielleicht war das ein Spleen. Aber ich war und bin der Meinung, ein Studio sollte schwarz sein, gleich wie der Anzug der Fotografen. In beiden Fällen dient dies um unnötige Reflexe zu vermeiden. Solche sollen wie die Beleuchtung sehr bewusst gesetzt werden.

Die Klasse mit Mike Berger (mittlere Reihe 2.v.r.) und Thomas Kalwa (mittlere Reihe 1.v.r.). Mitte hinten der frühere Schüler Heinz Unger, welcher dieser (und anderen) Klassen Bildgestaltung unterrichtete und der bekannt war als Gründer und Inhaber der Fotohalle GmbH im Gaswerk Schlieren, einem Grossstudio mit einer Fläche von 420 m2. Die einzige Frau in der Klasse ist Marianne Kesselring.
Als Grossformatkamera war eine schwarze Jubiläums-SinarP vorhanden, welche zum 30 Jahr Jubiläum von Sinar in einer nummerierten und signierten Auflage von 300 Exemplaren hergestellt wurde. Daneben fand vorwiegend eine Hasselblad 500C – Ausrüstung Einsatz. Zur Beleuchtung waren mehrere Rolleiflex Studiogeneratoren mit jeweils einer einzelnen Leuchte und verschiedenen Lichtformern vorhanden sowie eine motorisch verstellbaren Deckenleuchte mit 4 Blitzleuchten, welche jede an einem separaten Rollei-Generator angeschlossen war. Die Rolleigeneratoren hatten nur jeweils einen Leuchtenanschluss und waren dadurch immer gleich schnell in der Abbrennzeit und der Farbtemperatur. Natürlich war auch ein präziser Blitzbelichtungsmesser vorhanden.
Fotografiert wurde noch ausschliesslich analog.
Heinz Unger
Heinz Unger lernte das Handwerk im eidg. Amt für Waldwirtschaft. Nach dem Lehrabschluss liess sich Heinz Unger in Wien an der Hochschule für angewandte Kunst zum typografischen Gestalter ausbilden. Danach wechselte er als Mitarbeiter in ein Grossraumstudio im Raum Zürich, welches unter anderem auch Autos fotografierte. Später eröffnete er im Wagiareal in Schlieren ein Goss-Studio mit einer Fläche von 420 m2.

Fotohalle GmbH Schlieren
Josef (Sepp) Scherrer
Sepp Scherrer war Experte an meiner Meisterprüfung und hat mich an der Lehrlingsabteilung der Kunstgewebeschule als neuer Lehrer für Fotografie empfohlen. Eigentlich war Sepp angestellt bei Foto Ganz in Zürich und zwar im Geschäftsbereich Projektoren. Den Fotounterricht erteilte er nach dem Tod von Eggenberger daher nebenberuflich. Nachdem die Unterrichtspensen zunahmen, beschloss Sepp, ganz und vollamtlich an die Schule zu kommen. Er betreute in erster Linie den Unterricht für die Fotofach-Angestellten. Viele Jahre haben wir äusserst intensiv zusammengearbeitet.
Chrtistian M. Westermann
Christian lernte ich als Fotografie-Schüler in meinem Unterricht kennen. Interessanterweise lernte er im Studio Heinz Walti, meinem ursprünglichen Oberstift bei Armin Gessler in Brugg (wodurch der Kreis wieder geschlossen wurde). Christian Westermann hatte ursprünglich Zimmermann gelernt. Fotografie ist seine Zweitausbildung. Nach meinem Austritt aus der Klubschule Migros Zürich hat Christian diese Tätigkeit eine Zeitlang übernommen, bevor ich ihn als weiteren Fotolehrer an die Berufsschule für Gestaltung geholt habe.
René Schumacher
René Schumacher unterrichtete zuerst Verkaufskunde bei den Fotoverkäufern und ab 1982 bei den Fotofach-Angestellten an der Berufsschule für Gestaltung Zürich. Bald übernahm er jedoch auch noch andere Unterrichtseinheiten bei den Fotofach-Angestellten und den Fotografen. Im Jahr 2006 liess er sich vorzeitig pensionieren. In den ersten Tagen des Jahres 2021 verstarb René leider an den Folgen einer schwerwiegenden Krankheit.
https://www.fotointern.ch/archiv/2021/01/11/rene-schumacher-ist-von-uns-gegangen/
Samuel J. Marchesi und die Firma Light
Mein mittlerer Sohn Samuel ist teilweise in den USA aufgewachsen und hat dort die Highschool in Malibu besucht und danach ein Studium im Bereich Wirtschaft und Informatik an der University of California sowie während eines Jahres an der Uni Zürich absolviert.
Die jeweils dreimonatigen Sommerferien verbrachte er und seine Schwester Daisy meistens bei uns in Dällikon. Da ich an der Schule nicht solange Sommerferien geniessen durfte, waren die Kinder öfters mit mir zur Schule gekommen.
Weil Samuel an seiner kalifornischen Uni in der Informatik als Desk-Helper für Macintosh ein Teilzeit-Arbeitspensum hatte, verbrachte er den Tag in der Schule meistens in unserem Serverraum und erlernte viel Praxiswissen über Netzwerktechnik.
Nach seinem Studienabschluss in Kalifornien besuchte er einige Firmen im Silicon Valley. In einem StartUp mit Namen Light.co blieb er hängen, wurde als Leiter IT angestellt und bald darauf mit dem Titel Informatic-Director geehrt. Erstaunlicherweise war dem CEO jener Firma der Name Marchesi nicht ganz unbekannt.
Light beschäftigte sich mit der Entwicklung von kleinen Kamerasystemen, wie wir sie als Kameras in Smartphones kennen. Dazu entwickelte und produzierte Light.co eine Smarthone ähnliche Kamera mit insgesamt 16 Kameras und Objektiven, von welchen jede eine andere Auflösung produzierte. Zusammengerechnet entstand dadurch ein digitales Bild in der Grösse von 52 MB. Im Verkauf war jedoch die Light 16 nicht genügend erfolgreich. Deshalb hat Light die verwendete Technologie lizenziert und an einen Handy-Hersteller abgegeben. Daraus gab es dann das Nokia 9 PureView mit 9 Kameras. Das Handy-Geschäft gehört heute jedoch nicht mehr zu Nokia sondern zu HMD Global.
Light 16
Danach hat Light ihr Lizenz-Geschäftsmodell an verschiedenen anderen Vertikal-Systemen ausprobiert, wie zum Beispiel für die selbstfahrende Auto-Technologie (ADAS). Bei diesem Projekt machten diverse Geldgeber jedoch nicht mehr mit und das StartUp ging ein.
Samuel arbeitet seither als Leiter der Informatik-Infrastruktur bei John Deere. Auch das ist ein sehr spannendes Projekt. Es geht darum, bei der Schädlingsbekämpfung im laufenden Spritzeinsatz zu erkennen, welches Pflänzchen ein Schädling und welches ein Nützling ist. Nur der Schädling enthält dann ein Tröpfchen Unkrautvertilgungsmittel, nicht jedoch der Nützling – und dies über eine gleichzeitig befahrene Breite von 36,5 Metern und einer Fahrgeschwindigkeit von rund 24 kmh.
Und dann kam das Jahr 2009, als ich mich pensionieren lassen musste.
Irgendwann kam das Jahr 2009. Im Dezember wurde ich 65 Jahre alt, musste daher meine Tätigkeit auf Ende des laufenden Semesters leider aufgeben. Interessant ist, dass dies nicht einfach so geschieht. Nein, man muss selber kündigen und sich sogar selber bei der AHV und der Pensionskasse für die Rente anmelden.
Zu jener Zeit lief noch der Lehrgang Techno-Polygraf, bis Sommer 2010. Es war allen klar, dass ich meine Informatik-Lektionen an diesem Lehrgang noch bis zum Ende durchführen werde. Allen. Nur nicht dem Kanton Zürich als Arbeitgeber. Sechs Wochenstunden ein ganzes Semester lang – bis zum Ende eines laufenden Lehrgangs. Für den Regierungsrat damals quasi ein Verbrechen. Es bedurfte der Einwilligung des Gesamt-Regierungsrats. Mein Rektor, Fritz Maurer, ging davon aus, dass dies schon klappen würde. Es hat tatsächlich geklappt. Die Bewilligung kam eine Woche nach dem Semesterstart…
Da ich lediglich 2 x 3 Lektionen bei zwei Parallelklassen zu halten hatte, war der Unterricht natürlich bis ins kleinste Detail vorbereitet. Soviel Zeit für so wenig Unterricht hatte ich vorher nie.
Wie ich zur Lochkamera-Fotografie kam
Nach meiner Pensionierung begann ich mich mit Lochkamera-Fotografie zu beschäftigen. Natürlich habe ich immer schon gelegentlich Lochkamera-Aufnahmen gemacht. Das Funktionieren der Lochkamera gehört ja zur Beweisführung für die geradlinige Ausbreitung des Lichts. Und so habe ich bei diesen Optik-Lektionen jeweils das Schulzimmer in eine grosse Lochkamera umgewandelt, indem ich in die Führung der Dunkelstoren ein Brett mit einem 15 mm grossen Loch eingefügt habe. Nachdem sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, sah man an der gegenüberliegenden Wand ein kopfstehendes Abbild der Aussenwelt.
Prinzip der Camera Obscura. Kupferstich aus dem 17. Jahrhundert
links: Abbildung einer pnktförmigen Lichtquelle; rechts: Abbildungsprinzip einer Lochkamera

Verschiedene Lochkameras meiner Schüler
Als weitere Übung haben meine Schülerinnen und Schüler in der Folge mittels Schachteln, Ovomaltinebüchsen und ähnlichem eigene Lochkamera-Aufnahmen gemacht. Wie üblich verwendeten wir als Aufnahmematerial Vergrösserungspapier; es entstand ein seitenverkehrtes Papiernegativ. Dieses Papiernegativ liess sich dann im Kontaktverfahren auf ein weiteres Vergrösserungspapier kopieren, wodurch ein Positiv entsteht.
Auszug 20 cm Auszug 40 cm Auszug 60 cm
Ein Loch hat natürlich keine Brennweite. Die Wirkung ist bei einem entsprechenden Auszug jedoch gleich wie bei Objektiven mit Brennweiten. Je länger der Auszug, umso enger der Aufnahmewinkel.
Was mir an allen Lochkamera-Aufnahmen nie passte, ist das mehr oder weniger unscharfe Geschmiere, das weltweit offenbar zum Genre der Lochkamera gehört. Mir schwebt mit dieser Technik vielmehr eine Art mystisch zerfliessende Schärfe vor und ich lege ebenso grossen Wert auf die Farbgebung und die hohe Farbsättigung, welche korrekten Lochkamera-Aufnahmen eigen ist. Würde man eine sehr grosse Lochkamera mit einem Auszug von 50 m schaffen und ein präzises Loch mit dem Durchmesser von 10 mm einbauen, hätte man eine Lochkamera deren optische Qualität praktisch völlig frei von seidelschen optischen Fehlern wäre.
1985 habe ich im Anschluss an die Aufnahme-Serie für eine Image-Kampagne das entsprechende Sujet zusätzlich noch «lochografiert». Und zwar mit einem Präzisionsloch in sehr dünnem Stahlblech, welches ich zentral in den Objektivdeckel einer Hasselblad 500C eingebaut und mit dem kleinsten Zwischenring anstelle eines Objektivs betrieben habe.

Das Lochkamera-Bild mit der Hasselblad 500C
Meine Formel zur Berechnung des optimalen Lochdurchmessers in Abhängigkeit des Kamera-Auszugs und der hauptsächlichsten Wellenlänge des Aufnahmelichts habe ich im Anschluss noch leicht modifiziert. Diese Aufnahme gilt daher als meine erste wirklich perfekte Lochkamera-Aufnahme. Natürlich habe ich die Erkenntnisse daraus fein säuberlich notiert und nach meiner Pensionierung gemäss diesen Erkenntnissen die Löcher für die verschiedenen Kameraauszüge erstellt. Mit Hilfe von Zwischenringsätzen habe ich eine ganze Reihe unterschiedlicher Auszüge mit den entsprechenden Präzisionslöchern erstellt und einen praktischen Foto-Rucksack damit gefüllt, mit dem ich auf meinen Reisen und Exkursionen perfekt ausgerüstet war. Und natürlich hat der Rucksack auch meinen Laptop beherbergt.

Balgengerät mit Zwischenringe und Kamera mit Löchern statt Objektiven
Die Lochkamera auf Basis einer Digitalkamera ist natürlich äusserst praktisch. Man kann sich so an die korrekte Belichtung hin tasten und dem Kontrollmonitor noch weitere wichtige Informationen entnehmen. Denken Sie daran, dass der Kameraprozessor bei Aufnahmen mit langen Belichtungszeiten für die Bildverarbeitung länger braucht und das Resultat daher stark verzögert auf dem Display angezeigt wird.
Die entstandenen Fotografien – obwohl absolut frei von optischen Abbildungsfehlern – sind weniger scharf und infolge der längeren Belichtungszeiten entstehen interessante und gestaltende Bewegungs-Unschärfen. Die Lochkamera-Aufnahmen wirken gemäldehaft und sind in keinem Fall Schnellschüsse. Bis die gestalterischen Ansprüche bei der Aufnahme eines Sujets gemäss der Bildidee erfüllt sind, vergehen Stunden oder Tage. Dem edlen Charakter der Bilder entsprechen die gewählten Präsentationsformen als Archival Pigment Prints auf FineArt-Papiere. Neben Wandbildern in wunderbaren Schrägschnitt-Passepartouts, die nach den Kriterien höchster Haltbarkeit erstellt und gerahmt werden, sind die Präsentationen als FineArt-Museo-Karten und Giftcards – beide mit musealer Haltbarkeit und jedes Exemplar handsigniert – preisgünstigere Varianten der mittels Camera Obscura entstandenden Fotokunst.

Mein Sohn Gian an der Lochkamera anlässlich des Zukunftstages 2020
Im Sommer 2023 konnte ich im Gesundheitszentrum Dielsdorf eine Einzelausstellung realisieren. Die Vernissage am 3. August besuchten gut 50 Verwandte, Bekannte, Freunde, Kollegen und Interessierte – trotz des unglücklichen Termins mitten in den Sommerferien.
Mein ehemaliger Schüler der besten aller Klassen – Beat Pfändler – hielt die Ansprache, eine echte Laudation für welche ich auch an dieser Stelle nochmals herzlich DANKE sage!
Mit der Einladung zur Vernissage habe ich angeboten, dass ich einige Besucher lochografieren werde und dabei zeige, wie ich dazu vorgehe. Es haben sich eine ganze Reihe Interessenten gemeldet, welche danach in den Besitz einer davon hergestellten GiftCard im Passepartout kamen.
Von meinen Kindern waren fast alle an der Vernissage dabei. Sämi und Daisy sind aus den USA angereist und haben mit Sina und Gian, den beiden Jüngsten, bei der Aufstellung und der Ausstellung tatkräftig mitgeholfen. Beim Abbau sechs Wochen danach haben mein Sohn Rico sowie Christa und Christian Westermann geholfen. Auch dafür ganz herzlichen Dank!


AustellungsimpressionenDielsdorf
Einige Besucher liessen sich lochografieren und erhielten später von ihrem Portrait eine GiftCard
Oft werde ich gefragt, was das Geheimnis der hohen Farbsättigung und Farbintensität meiner Lochkamera-Aufnahmen sei und weshalb diese – vor allem bei Bestrahlung durch die Sonne – derart intensiv strahlen. Die Antwort ist nicht ganz einfach, denn es sind mehrere Gründe, welche dazu führen. Zuerst sind natürlich die Farbpigmente dafür verantwortlich. Die modernen Farben der neun- bis zehn-Farben Archival Pigment Drucker von Epson und Canon enthalten teilweise ähnliche bzw. ähnlich wirkende Farbpigmente wie die Malfarben der mittleren Renaissance-Zeit.
Google meint dazu: «Die Farben der Renaissance waren eine Mischung aus leuchtenden, satten Pigmenten und erdigen Tönen, die Reichtum und Natürlichkeit ausdrückten; Rot (Zinnober), Blau (Ultramarin, Azurit), Gelb (Ocker, Bleizinngelb) und Grün (Grünspan, Erden) waren zentral, kombiniert mit warmen Braun- und Erdtönen (Umbra) sowie Bleiweiß und Rußschwarz für Tiefe und Kontrast, wobei Künstler wie Dürer, Michelangelo und Da Vinci die Farbsymbolik und -mischungen perfektionierten.
Wichtige Farben und Pigmente
Rot: Zinnober (aus Quecksilber), Karminrot (aus Cochenille-Käfern), Roter Ocker
Blau: Ultramarin (Lapislazuli), Azurit, Smalte
Grün: Grünspan, Malachit, Grüne Erde (Terra Verde).
Gelb: Gelber Ocker, Neapelgelb, Bleizinngelb.
Weiss: Bleiweiss (Bleiantimon), Kaolin, Eierschalenweiss.
Schwarz: Russ (Elfenbeinschwarz), Kirschkernschwarz.
Charakteristische Merkmale der Renaissance-Farbpalette
Leuchtende Klarheit: Hinwendung zu klaren, leuchtenden Farben, insbesondere Rot und Blau als Statussymbole.
Warme Dominanz: Dominanz warmer Farben (Rot, Ocker, Braun), ergänzt durch kühle Töne für den Ausgleich.
Erdung und Symbolik: Ockerfarben standen für die Erde, Zinnober für Auferstehung; Rot symbolisierte Blut, Liebe und Autorität.
Kontrast: Starker Einsatz von Hell-Dunkel-Kontrasten (z. B. Schwarz/Weiss, dunkle Erdtöne mit hellen Kreiden).
Techniken: Künstler nutzten spezielle Techniken wie das Cangiante (Farbwechsel zur Schattierung) und feine Mischungen (z. B. Grünspan/Bleiweiss für Hauttöne).
Die konfektionierten Farben der Druckerfarben lassen sich natürlich nicht ändern. Je nach Fabrikat bestehen sie (bei Epson) aus den subtraktiven Farben Yellow, Magenta und Cyan. Zur Verbesserung der Farbmischung werden die Farben jedoch nicht allein mit diesen drei Farben gemischt, sondern es sind zwei weitere Teilfarben im Einsatz, nämlich Magenta light und Cyan light, zwei hellere Farbwerte. Auf der Seite der vierten Farbe, nämlich Schwarz sind sogar drei Farben beteiligt, ein Photoschwarz PK beim Druck auf glänzende und halbglänzende Medien sowie ein Mattschwarz MK beim Druck auf matte Medien. Für alle Medien sind zudem noch zwei weitere Schwarztinten vorhanden, LightBlack LB und Light Light Black LLB. Dies bedeutet, dass für jeden Druckträger 8 Farben verwendet werden. In einem vorherigen Abschnitt habe ich erläutert, wie der klassische Vierfarbendruck funktioniert. Stellen Sie sich das gleich vor, ausser dass es sich hier um einen Achtfarbendruck handelt. Es ist leicht einzusehen, dass dabei ein anderer Farbauszugs-Algorithmus verwendet werden muss.
Zudem ist die visuelle Wirkung auf jedes Papier unterschiedlich, so dass für jede Papierart ein separates Farbprofil erstellt und angewendet werden muss. Die Kamera produziert ein RGB-Bild Rot, Grün und Blau, das heisst, für jeden Farbspektraldrittel einen additiven Farbauszug. Dieses Farbmodell muss nun zuerst in das zu druckende subtraktive Achtfarbenmodell umgerechnet werden. Die üblichen Druckprogramme – wie zum Beispiel Photoshop – kennen dieses Farbmodell jedoch nicht. Es ist daher notwendig einen sogenannten Raster Image Processor RIP dazwischen zu schalten.
Google: Rasterbildprozessor oder Rasterbildrechner ist eine spezialisierte Hard- oder Software in der Druckvorstufe, welche digitale Bild- und Grafikdaten in eine für Druckmaschinen lesbare Rastergrafik (Bitmap) umwandelt.
Kernfunktionen eines RIP
Der Prozess wandelt komplexe Quelldateien (wie PDF, PostScript oder Vektorgrafiken) in binäre Informationen um (z. B. „Punkt drucken“ oder „nicht drucken“). Dabei übernimmt das RIP folgende Aufgaben:
Rasterung: Vektordaten werden in Pixelgrafiken übersetzt, da Drucker keine mathematischen Pfade, sondern nur einzelne Punkte ausgeben Farbraumumwandlung & Management: Es konvertiert Farben, etwa von RGB (Bildschirm) in CMYK (Druck), und nutzt ICC-Profile für farbechte Ergebnisse
Linearisierung: Es gleicht Tonwertzuwächse der Druckmaschine aus, um sicherzustellen, dass z. B. ein 40%-Grau auch exakt so gedruckt wird.
Separation: Das Bild wird in einzelne Farbauszüge für die Druckfarben (Vierfarben- oder Achtfarbendruck) zerlegt.
Layout-Steuerung: Funktionen wie Nesting (Anordnen mehrerer Jobs auf einem Bogen) oder das Hinzufügen von Schnittmarken werden oft direkt im RIP verwaltet.
Warum ein RIP notwendig ist
Während einfache Standardtreiber für Heimbüros ausreichen, bietet eine RIP-Software für den professionellen Grafikdruck deutlich mehr Kontrolle über Auflösung, Punktform und Farbauftrag. Sie agiert als Hochleistungstreiber, der den Druckprozess beschleunigt und präziser macht, indem er direkt mit der Hardware kommuniziert. Ich verwende für meine FineArt-Drucke das Software-RIP ImagePrint. Neben Software-RIPs existieren auch Hardware-RIPs.
Für die Qualität des Bildes ist jedoch noch ein weiteres Element zu beachten. In der Digitalkamera werden die Bilddaten im RAW-Format abgelegt und kameraintern meistens ins komprimierte Format JPEG (jpg) umgewandelt. Professionelle Kameras ermöglichen zusätzlich eine Speicherung im TIFF-Format. Dabei handelt es sich nicht um einen normierten Vorgang, denn das RAW-Format wird von allen Kameraherstellern unterschiedlich interpretiert und gehandhabt. Durch die Übernahme eines TIFF ist daher absolut nicht sichergestellt, dass die bestmöglichste Datenumwandlung verwendet wird.
Eine deutlich bessere Methode der Umwandlung bildet ein RAW-Umwandlungs-Algorithmus, wie ihn einzelne Programme zusätzlich zur Verfügung stellen. Sogar Photoshop stellt einen solchen RAW-Konverter zur Verfügung der eindeutig besser ist als sein Ruf. Leider sind seine Voreinstellungsmöglichkeiten jedoch nicht derart professionell, wie es das Programm eigentlich erwarten liesse. Photoshop bietet jedoch die Möglichkeit, mittels PlugIns und Aktionen ins Programm einzugreifen und Dateien vor der Konvertierung zu beeinflussen. Ich verwende für die RAW-Konvertierung meistens CaptureOne, weil ich dabei die meisten Beeinflussungsmöglichkeiten habe – oder vielleicht, weil ich es am besten beherrsche.
Das unglückliche Ende
Naht.
Unglücklicherweise habe ich die Herzinsuffizienz meiner Mutter geerbt und verspüre seit 2016 gelegentlich Atemnot. Diese ist in der Zwischenzeit immer stärker geworden und seit etwa einem Jahr benötige ich rund um die Uhr Sauerstoff in beängstigend hoher Menge. Das Kardiogramm zeigt eigentlich gemäss letzter Aussage meines Kardiologen mehr Vorhofflimmern als Pulsschlag und das erst noch in atemberaubender Geschwindigkeit. Meine Autofahrbewilligung musste ich dieses Jahr Ende August abgeben. Das hat mir sehr weh getan. Nun muss ich in den sauren Apfel beissen und versuchen, den unfreiwilligen Hausarrest auszuhalten. Immerhin funktioniert das Gehirn und das Erinnerungsvermögen noch einigermassen. Vor allem, wenn ich den Kopf schräg halte, damit der Gehirnrest schön zusammenlaufen kann….
Ich trage jetzt eine iWatch mit Sturzsensor. Damit kann ich durch Knopfdruck eine direkte Verbindung zum Notfall aufbauen und mich abholen lassen. Wohin? Ich weiss noch nicht, ob ich den Auslöse-Knopf drücken werde, obwohl ich ein Leben lang an den Schulen gelehrt habe, wann der Knopf zu drücken ist.
Landrover Defender Jahrgang 2009 mit Dachzelt. Darf ich leider nicht mehr fahren …
Meine beiden Jüngsten, Sina und Gian 2010 auf der Reise in die Toscana
Gian als Fahrer-Nachfolger
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